Medienkompetenz-Initiative für Feuerwehren

Gerade in sozialen Netzwerken sind sehr viele Mitglieder österreichischer Feuerwehren vertreten, die mit ihren Profilbildern in Uniform auch als solche erkennbar sind. Durch ihr Verhalten und Interagieren auf sozialen Medien beeinflussen diese Mitglieder auch das Image der Feuerwehr – positiv wie negativ. Um negative Auswirkungen auf das hohe Ansehen der Feuerwehren zu reduzieren, ist diese Medienkompetenz-Initiative notwendig.

Bei genauer Beobachtung von sozialen Netzwerken fällt als Feuerwehrmitglied auf, dass sehr viele „Prosumer“ (PROducer und conSUMER, also Produzenten und Konsumenten) alles über sich und ihren Lebenslauf preisgeben. Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen, der Arbeitgeber, Vorlieben für Urlaubsziele bis hin zum Geburtstag und zu den Kontaktdaten. Den Rest verrät das Profilfoto: Fitnessstudio-Fan, Fußballer, Partyjunkie oder Feuerwehrmitglied. Bei falschen Privatsphäre-Einstellungen sind all diese Informationen für alle Nutzer weltweit sichtbar. „Über alle Apps hinweg hat Facebook 2,7 Milliarden aktive Nutzer. Davon sind 2,1 Milliarden jeden Tag aktiv“, so die Angaben von allfacebook.de, die sich auf den Börsenbericht aus dem 2. Quartal des Jahres 2019 beziehen.

Ab dem Moment, wo wir uns als Feuerwehrmitglied in sozialen Netzwerken zu erkennen geben, sind wir nicht mehr rein privat online. Die getätigten Aussagen, egal ob als eigenes Posting oder als Kommentar, werden „einem Feuerwehrmitglied“ zugeschrieben. Selbst ein scheinbar unverfängliches „Like“ kann als Meinungsäußerung der Feuerwehr wahrgenommen werden. Das kann man nun als augenrollend übertrieben sehen, gut finden oder nicht – die Tatsache das es so ist bzw. sein kann bleibt.

Denken, Drücken, Schlucken, Sprechen

Auch als Privatperson sollte ich mein Verhalten in sozialen Netzwerken nicht rein der Emotion und aktuellen Stimmung überlassen. Für Mitglieder einer Feuerwehr gilt ein korrektes Auftreten in der Öffentlichkeit als Voraussetzung – und dazu zählt mittlerweile auch der Online-Auftritt. Das „Verhalten im Feuerwehrdienst“ ist auch Teil der Grundausbildung: „Speziell in Uniform repräsentiert jedes Feuerwehrmitglied die gesamte Feuerwehr. Daher soll es in allen Situationen ein gutes und vernünftiges Verhalten und sein gutes Benehmen auszeichnen.“

Der PR Ethik Rat hat in seiner überarbeiteten Version des Kodex‘ zur „Ethik in der Digitalen Kommunikation“ 8 Prinzipien festgehalten, die ein „ethisch korrektes Verhalten in Online- und Social-Media-Kanälen“ ausmachen:

  1. Fairness – Mit kommunikativer Macht sorgsam umgehen. 
  2. Respekt – Die Persönlichkeit und die Meinungen der NutzerInnen respektieren. 
  3. Verantwortung – Als KommunikatorIn die Verantwortung für den Inhalt einer Aussage übernehmen. 
  4. Moderation – Klare Richtlinien für den Diskurs vorgeben. 
  5. Klarheit – Regeln und Anleitungen als Orientierungshilfe für MitarbeiterInnen eines Unternehmens definieren. 
  6. Transparenz – Die Rolle als KommunikatorIn und die Motivation offenlegen. 
  7. Höflichkeit – Den richtigen Ton finden. 
  8. Privatsphäre – Persönliches als persönlich behandeln, Vertrauliches als vertraulich.

Zusammengefasst gelten für soziale Netzwerke dieselben Grundsätze wie für das Absetzen eines Funkspruches: Zuerst denken, dann drücken – also schreiben, dann schlucken – also nochmal drüberlesen und die acht Prinzipien überdenken, dann sprechen – also veröffentlichen.

Mehr Kompetenz durch Wissen

Die Förderung eines sicheren und verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien, um insbesondere Image-Schäden für die Feuerwehr zu verhindern, war das Hauptziel der Medienkompetenz-Initiative, welche in den letzten Monaten intensiv vorbereitet wurde. Die ÖBFV Medien GmbH hat dieses Projekt gemeinsam mit dem ÖBFV-Sachgebiet 1.3 – Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung sowie mit inhaltlicher Unterstützung von der österreichischen Initiative „safer internet“ entwickelt und forciert. Nun wurde der Flyer fertiggestellt, welcher in den Landesfeuerwehrverbänden aufliegt und auch online unter www.fire.cc/saferinternet kostenlos bestellt bzw. heruntergeladen werden kann. Neben Hinweisen wie die Feuerwehr intern richtig kommuniziert, werden beispielsweise auch wertvolle Tipps für eine Online-Krise gegeben.

Der Flyer mit allen Infos kann im Internet heruntergeladen werden.

Sinnvolle Nutzung der Netzwerke

„Je mehr Feuerwehrmitglieder sich mit der sinnvollen Nutzung von sozialen Netzwerken auseinandersetzen und sich über ein korrektes Online-Verhalten informieren, desto weniger Feuerwehrmitglieder laufen Gefahr, sich und die Feuerwehr in ein schlechtes Licht zu rücken“, weiß BR Thomas Meier, Leiter des ÖBFV-Sachgebietes Öffentlichkeitsarbeit.Doch mit den Flyern ist die Initiative noch nicht beendet. Ab dem Jahr 2020 werden Workshops angeboten, die direkt in den Feuerwehren stattfinden können. Zusätzlich folgt ein Leitfaden, um die Workshop-Inhalte auch schriftlich zur Verfügung stellen zu können. 

„Wir freuen uns sehr, die Feuerwehr mit unserem ‚Safer Internet‘-Know-how unterstützen zu dürfen. Diese Zusammenarbeit ist eine Riesenchance, um in ganz Österreich junge Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu sensibilisieren. Unangenehme Situationen vermeiden und Chancen nützen, das ist die Devise“, so Bernhard Jungwirth von Saferinternet.at/ÖIAT.

FEUERWEHR.AT wird in den nächsten Ausgaben über die weiteren Schritte der Medienkompetenz-Initiative berichten.

ÖBFV / BR Andreas Rieger